24. Januar 2022
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Hundebegegnungen ab heute erfolgreich meistern!

Ich möchte dich heute mal in eines der für mich schwierigsten Trainings mitnehmen:
Wir sind auf Tour, bekommen eine Email bezüglich eines Einzeltrainings für einen – laut Email – unglaublich schwierigen
und leinenaggressiven Windhundemix. Mein Team vereinbart einen Termin, notiert ihn in meinem Kalender, 3-stündiges Intensivtraining,
ich fahre hin. Ich möchte die Besitzer erst kurz kennenlernen, lasse Yari, meine Hündin, also noch im Auto.
Die Besitzerin erzählt mir das Übliche – was sie alles seit Jahren probiert und was alles nicht funktioniert hat.
Ich frage sie, zeigt der Hund das Verhalten bei absolut jedem Hund?
Die Antwort, ja, er rastet zu 100% bei jedem Hund aus, egal wie viel Abstand, egal wie groß oder klein der andere Hund ist.

Passt, ich sage, ich möchte das Verhalten gerne 1x sehen und die Besitzerin soll bitte alles so wie immer machen.
Dann hole ich Yari aus dem Auto, die Besitzerin geht mit viel Abstand an uns vorbei und will mir zeigen wie der Hund sich verhält, und…
NICHTS!
Ich sehe einen super-braven Hund der gut auf seine Besitzerin achtet und entspannt an uns vorbei geht.
Die Besitzerin geht näher vorbei, ändert nichts, der Hund bleibt brav. “Das kann ich mir jetzt gar nicht erklären, dass hat er noch nie gemacht!”

Ich ahne ja schon was da auf mich zu kommt – eine von diesen für mich unglaublich schwierigen Stunden.

Aber gut, vielleicht wars Zufall und Yari ist ihm besonders sympathisch. “Ok, dann lass uns den Feldweg zu diesem See da hinten gehen. Den Weg bin ich heute Morgen mit Yari vom Hotel aus schon gegangen und da trifft man viele Hunde. Ich sag aber noch nichts dazu, damit ich mir das 1x anschauen kann wie es normalerweise bei euch aussieht!”
Die Besitzerin ist einverstanden, wir gehen los Richtung See.
Nach 2 Min sagt sie, “Sarah schau, da drüben geht jemand gleich mit 4 Hunden! Da kann ich dir zeigen wie das aussieht. Normalerweise würde ich jetzt ja umdrehen weil bei mehreren Hunden rastet er immer extrem aus, also jetzt wirst du sehen was ich meine!”

Wir gehen vorbei:
NICHTS

Das Ganze hat auch bei allen weiteren Hundebegegnungen nicht anders ausgesehen. Ein toller Hund, Musterschüler und die Besitzerin hat die Welt nicht mehr verstanden. Das sind für mich die schwierigsten Stunden, vor allem wenn die Besitzer gleich 3 Stunden am Stück gebucht haben.
Wenn der Hund auf Hunde reagiert, dann kann man in 3 Stunden wundervoll ohne Stress, sondern ganz entspannt arbeiten.
Aber wenn der Hund einfach nur völlig unerwartet von der Besitzerin plötzlich brav ist – und solche Hunde habe ich immer wieder im Training – dann ist es für mich sehr schwierig,
weil ich nicht viel mehr machen kann, als den Menschen zu erklären, warum es jetzt klappt und wie sie das beibehalten können….aber die Erklärung dauert halt nur 5 Minuten.

Warum machen manche Hunde nichts, sobald ein Trainer dabei ist und wie funktioniert das auch ohne Trainer?
Es gibt Hunde die sehr sensibel sind, eigentlich gar kein großartiges Problem mit Artgenossen haben und sehr auf ihren Besitzer achten (das muss dem Besitzer nicht zwangsläufig auffallen). Das heißt nicht unbedingt, dass diese Hunde weniger heftig und laut in der Leine hängen wie Hunde die wirklich ein Problem mit Artgenossen haben, dh. diese Hunde machen trotzdem natürlich massive Probleme.
Aber das Problem sind nicht die Artgenossen, sondern tatsächlich nur die Ausstrahlung, Gefühlslage, kurz, das Mindset des Besitzers.

Nehmen wir das Beispiel von dem Hund den ich oben beschrieben habe. Der Hund wurde einmal gebissen. Von da an war die Kundin etwas verunsichert wenn sie fremde Hunde gesehen hat. Das hat der Hund gemerkt, und Stück für Stück eine Leinenaggression (bzw. etwas was so ähnlich aussieht) entwickelt.
Die Besitzerin wurde nun zusätzlich unsicherer bei Hundebegegnungen, weil es ihr unangenehm war, dass ihr Hund ausrastet. Der Hund hat gemerkt, dass die Besitzerin sich immer unwohler fühlt bei Hundebegegnungen, sich komplett anspannt sobald sie einen Hund sieht, die Richtung oder Straßenseite wechselt und sich nicht wohlfühlt. Also ist der Hund noch mehr ausgerastet.

Warum ist er nicht ausgerastet sobald ich dabei war?
Das lag nicht an mir, es hätte jeder an meiner Stelle stehen können.
Aber plötzlich hat sich die Besitzerin gefreut, mit dem Hund das Problem endlich lösen zu können. Sie hat Hunde gesehen und hat sich gefreut, dass sie mir jetzt zeigen kann, was der Hund macht und ist selbstsicher auf die fremden Hunde zugegangen.
Und siehe da, der Hund macht nichts. Nachdem die Besitzerin verstanden hat, dass es nur daran liegt und 3 Stunden lang gesehen hat, dass der Hund bei keinem von unzähligen Hunden auch nur ansatzweise ausrastet, ist sie viel selbstsicherer und positiver geworden und seit dem Training klappt es mit den Zweien.

Warum erzähle ich dir das? 
Mindset, was du denkst und fühlst, ist alles!
Ich sag immer, 80% ist Mindset, 20% ist Technik/ die Methode. Bzw. ja, die Technik ist auch wichtig! Aber ohne ein gutes Mindset ist jede (!) Technik wirkungslos.
Die beste Methode funktioniert nicht, wenn du das Falsche denkst, angespannt bist und negative Gedanken hast. Das merkt dein Hund!
Umgekehrt, in manchen Fällen braucht es tatsächlich nur ein gutes Mindset und gar keine zusätzlichen Übungen, Methoden und Techniken und der Hund verwandelt sich zum Musterschüler.
Zu dem Thema haben wir dir auch noch ein kostenloses Video auf Youtube gestellt:
Hundebegegnungen ab heute erfolgreich meistern! 

Eure Sarah

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