27. Februar 2021
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Hast du Tipps für Hundebegegnungen an der Leine?

Ja, einige! 😉 Aus der menschlichen Psychologie wissen wir: Nicht nur das Gehirn sendet Informationen an den Körper sondern auch der Körper an das Gehirn. Heißt konkret: Nicht nur wenn du traurig bist, senkst du den Kopf, lässt die Schultern hängen und die Mundwinkel gehen nach unten sondern auch wenn du absichtlich und bewusst die Schultern hängen lässt, die Mundwinkel senkst und den Kopf hängen lässt, dann wird dein innerer Zustand und deine Emotionen nach 5 Minuten in dieser Haltung gefärbt sein von deiner Körperhaltung. Sprich, du wirst dich zumindest ein wenig schlechter fühlen. Für das Hundetraining behalten wir uns diesen Effekt im Kopf.
Motivationstrainer trainieren mit Spitzensportlern ebenso nach diesem Effekt: Wer vor einem wichtigen Turnier, obwohl er sich gerade noch nicht 100% präsent und fit fühlt, für ein paar Minuten eine Power-Pose einnimmt (Hände und Kopf nach oben, absichtliches Mundwinkeln nach oben ziehen, Augenbrauen nach oben ziehen und Springen z.B.), sendet seinem Gehirn die Botschaft: “Du Chef, wir freuen uns gerade, wir haben Energie, los, schütte entsprechende Hormone aus!” Obwohl wir uns also gerade nicht gut fühlen, zwingen wir unser Gehirn dazu, Freudehormone auszuschütten.

Für Hundebegegnungen bedeutet das:
Sobald die Leine gespannt ist, weil der Hund zieht, verändert sich die Körperhaltung des Hundes. Ein ziehender Hund sieht größer aus, hat die komplette Muskulatur angespannt und sendet währenddessen seinem Gehirn die Botschaft: “Wir sind gerade in einem erregten Zustand (ob positiv oder negativ), sei achtsam und vorsichtig!”
Wird der Hund bei jeder Hundebegegnung in eine erregte, angespannte, mitunter auch aggressive Körperhaltung gebracht (dadurch dass er an der Leine zieht), stehen die Chancen gut, dass er irgendwann generell andere Hunde mit angespannten/negativen Emotionen verknüpft und der erste Stein Richtung Leinenaggression ist gelegt.

Darum empfehle ich dir mal grundsätzlich an der Leinenführigkeit ohne großartige Ablenkung zu arbeiten.
(Wie wir die Leinenführigkeit nach SmartCommunication konkret aufbauen findest du hier:
Leinenführigkeit

Dann frag z.B eine Freundin mit Hund ob sie dein “Statist” sein möchte zum Üben.
Fang am besten mit ganz viel Abstand an und übe die Leinenführigkeit wenn eine Person mit Hund dabei ist. Höre am besten dann auf wenn dein Hund möglichst entspannt ist.
Sei am Anfang nicht zu ehrgeizig und geh nicht absichtlich provozierend immer näher zu dem fremden Hund hin bis es eskaliert.
Höre lieber mit einem positiven Ergebnis auf und trainiere am nächsten Tag nochmal!

Ganz wichtig!
Nimm bei Hundebegegnungen deinen Hund auf die abgewandte Seite zum fremden Hund.
Das bedeutet, du bist zwischen dem fremden Hund und deinem Hund.

Warum?
1. Du kannst so deinen Hund besser mit Körpersprache -wie in unserem Online Seminar “Läuft wie am Schnürchen” beschrieben, besser stoppen, sodass sowenig wie möglich Zug auf das Halsband/Brustgeschirr kommt.
(Zug am Halsband/Brustgeschirr = Angespannte Körperhaltung = angespanntes Gefühl = schlechte Verknüpfung)
2. Wenn der andere Hund aggressiv reagiert, bist du dazwischen und kannst deinen Hund besser schützen
3. Dein Hund fühlt sich automatisch sicherer, weil du näher am fremden Hund bist und daher du die Situation regeln musst bzw. ihn abschirmen kannst

Immer in Bewegung bleiben…
Hunde können Stress leichter abbauen wenn sie sich bewegen dürfen.
Starte Hundebegegnungen im gehen, bevor du erwartest, dass dein Hund brav liegen bleiben kann wenn du im Cafehaus sitzt und ein Artgenosse bei der Türe herein kommt!

Mein Hund hat einen Erzfeind:
Wenn dein Hund einen Erzfeind z.B hinter einem bestimmten Gartenzaun hat, dann nimm ihn wie oben erklärt auf die abgewandte Seite zum fremden Hund.
Dann gehst du (anfangs am besten auf der anderen Straßenseite) auf den betreffenden Gartenzaun zu.
Achte jetzt ganz besonders auf eine gute Leinenführigkeit. Wenn dein Hund sich etwas anspannt, aber du ihn noch gut ansprechen kannst OHNE dass sich die Leine strafft, dann geh noch weiter.
BEVOR dein Hund so angespannt wird, dass die Situation eskaliert, gehst du wieder ein Stück zurück dort wo ihr hergekommen seid.
Sobald dein Hund wieder entspannt ist, gehst du wieder Richtung Erzfeind!
Du musst nicht gleich am ersten Tag vorbei gehen.
Lass dir lieber einige Tage Zeit und taste dich langsam heran, so dass dein Hund es schafft und die Situation möglichst niemals in ziehen und bellen ausartet!

Das Wichtigste zum Schluss:
Deine Einstellung!
Wenn du weg gehst und dir schon alle Horrorszenarien ausmalst, die passieren könnten, garantiere ich dir, du wirst an keinem einzigen Hund entspannt vorbei kommen.
Darum, sieh die Dinge wie sie sind, aber nicht schlimmer als sie sind!
Auch wenn dein Hund ein Leinenrambo ist – du hast ihn an einer Leine und wenn das Verhalten sehr gefährlich ist noch zusätzlich mit einem Maulkorb gesichert.
Grundsätzlich kann also nichts passieren.
Natürlich soll er nicht ausrasten, weil damit das Muster deines Hundes “Ich sehe einen anderen Hund und bin nicht mehr ansprechbar” natürlich gefestigt wird. Aber sobald du deinen Fokus auf “er darf nicht ausrasten” legst, legst du den Fokus in Wahrheit auf “ausrasten” und bist selbst sehr angespannt.

Darum denkt dir vor einem Spaziergang lieber Dinge wie, “Wenn er dann an allen Hunden schön vorbei gehen kann, dann können wir ihn ja ganz problemlos in den Urlaub mitnehmen!”
Stell dir vor wie du im Hotel sitzen wirst, ein Artgenosse geht vorbei, rastet komplett aus und dein Hund schaut nur.
Stell dir vor wie die Leute dich dann ganz verblüfft anschauen und sagen, “Wow, der ist ja brav” und wie du dann sagst, “Ja natürlich, ich trainiere nach SmartCommunication!” 😜😜😜
(Spaß muss sein! ;-))

Geh mit der Einstellung los! Sei aufmerksam, schau dass dein Hund in einer entspannten Haltung bleibt, aber wenn es doch mal passiert dass er bellend in der Leine hängt, geht auch die Welt nicht unter. Dann übst du weiter bis es klappt!

Viel Spaß beim Üben!
Eure Sarah! 🙂

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